5. Dezember 2012

Gefragt ist pragmatischer Realismus! – Bausteine für einen zukunftsfähigen Jugendschutz im Netz

Abstract zum Vortrag von Prof. Dr. Murad Erdemir

„Wer sich heute als Dreizehnjähriger im globalen Internet gezielt auf die Suche nach Gewalt und Pornografie macht, der wird immer fündig. Das, was er bekommen will, bekommt er auch.“
(Erdemir, in: Funkkorrespondenz 4/2012, S. 10 = tv diskurs 3/2012, S. 93)

„Die im Hinblick auf Datenschutz und Persönlichkeitsschutz immer bedeutender werdende Gruppe der netzgeborenen Inhalte in sozialen Netzwerken unterliegt bereits per definitionem nicht der klassischen Regulierung.“
(Erdemir, 10-Punkte-Papier v. 01.07.2011, S. 1)

Ein wirksamer Jugendmedienschutz im digitalen Zeitalter beschäftigt die Medienpolitik seit Jahren. Gleichwohl fehlt noch immer eine neue gesetzliche Regelung. Das so genannte Zugangserschwerungsgesetz des Bundes („Stopp-Schild“), immerhin angetreten zur Bekämpfung der Kinderpornografie im Netz: Gescheitert. Die Novelle des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags der Länder: Auf der Zielgeraden gekippt im nordrhein-westfälischen Landtag im Dezember 2010.

Ausgehend von der Prämisse, dass repressivem Jugendschutz im Netz natürliche Grenzen gesetzt sind, plädiert Dr. Murad Erdemir für eine pragmatische Neukonzeption des gesetzlichen Jugendmedienschutzes. Zwar sei ein Verzicht auf die Möglichkeiten imperativer Einwirkungen mit dem verfassungsrechtlichen Auftrag zum Schutze von Jugend und Gesellschaft unvereinbar. Zukunftsfähiger Jugendmedienschutz müsse aber deutlich stärker als bisher auf präventive Module setzen und könne nur unter enger Berücksichtigung des sozialen Wandlungsprozesses gelingen. Erdemir fordert die Wahrung der Integrität des Netzes und die stärkere Einbeziehung von Elementen der Media Governance im Jugendmedienschutz.

Der Referent wird am 5. Dezember 2012 im Rahmen der Vortragsreihe an der Universität Kassel entsprechende „Bausteine für einen zukunftsfähigen Jugendschutz im Netz“ vorstellen. Sie sind die Fortentwicklung seines 10-Punkte-Papiers, das er als Reaktion auf die gescheiterte Jugendmedienschutz-Novelle im Sommer 2011 auf dem 23. Medienforum.NRW in Köln präsentiert hat. Dabei wird der Vortrag auch Streiflichter auf das Fernsehen sowie auf die Offline-Bereiche Kino und Video (Blu-ray Disc, DVD) werfen.

Die „Bausteine“ werden veröffentlicht mit dem Band „Jugendmedienschutz in der digitalen Generation – Fakten und Positionen aus Wissenschaft und Praxis“, herausgegeben vom Intendanten des ZDF, Dr. Thomas Bellut (erscheint im Dezember 2012).